Dritte Fotoarbeit, Titel tbd
In meiner dritten Fotoarbeit möchte ich anschauen, inwiefern soziale Räume Einfluss auf unser Verhalten haben; darauf, wie wir uns in ihnen selbst wahrnehmen bzw. inszenieren, welche Erwartungen sie bei uns wecken und welchen Spielraum und Möglichkeiten sie uns bieten.
In meinen ersten beiden Fotoarbeiten habe ich die Darstellung und Erzählung von sozialen Rollen und Geschlechterrollen in Medien betrachtet. Ich habe mich z. B. gefragt, wie wir Geschlecht visuell erzählen, ob es eine geschlechtsspezifische Bildsprache gibt und ob bzw. wer Deutungshoheit über die Darstellung besitzt.
Dieses Mal möchte ich das sogenannte "Real Life" betrachten. Bisher habe ich zwei Ansätze für eine Umsetzung entwickelt.
1) Dasselbe in grün, weiß und schwarz ist ein Selbstportrait, auf dem ich drei unterschiedliche soziale Typen verkörpere: Eine Berliner Cubbesucherin, eine Münchner Wiesnbesucherin, eine Kölner Karnevalistin.
Hinweis: Bei dem Draft handelt es sich um einen Licht- und Kameratest, ohne finale Kostüme. Die Kleider sind: schwarzes Cluboutfit, grünes Dirndl, weißes Harlekin-Kostüm.
Die Figuren sind vor demselben Hintergrund montiert und erscheinen nicht als widersprüchliche Identitäten, sondern als drei gleichzeitig mögliche Versionen derselben Person. Die Outfits fungieren als visuelle Codes

unterschiedlicher sozialer Räume, und die mit ihnen verbundenen Erwartungen und Möglichkeiten an Verhalten und Selbstinszenierung.
Der Titel des Selbstportraits verweist ironisch darauf, dass den scheinbar unterschiedlichen Räumen, ein ähnlicher Mechanismus zugrunde liegt: Für einen begrenzten Zeitraum nehmen wir eine andere Rolle an, kleiden uns entsprechend und folgen oder verlassen bewusst ein bestimmtes soziales Skript. Das Selbstportrait zeigt ein und dieselbe Frau, die in jeder Version anders erscheinen und sich entsprechend des Raums anders verhalten kann und dennoch dieselbe Person ist.
TBD:
Das Selbstportrait kann Teil einer Reihe sein, die aus mehreren Selbstportraits oder Protraits von anderen besteht.
2) Die Touristin ist eine Fotoreihe, in der eine fiktive Figur an realen Orten mit echten Menschen fotografiert wird.
Bei diesen Orten handelt es sich um Schauplätze, die sichtbar machen, dass Menschen soziale Wesen sind und ihr Verhalten sowie ihre Gefühls- und Bedürfnisregulation, sozialen Normen und Erwartungen unterliegen.
Die Touristin "reist" nicht in die Ferne, sondern in den Alltag. Sie blickt auf Alltägliches bzw. Gewohntes und ermöglicht den Betracher*innen eine Außenperspektive auf sich selbst. Sie agiert als Beoabachterin und Reflektionsfläche dessen, was sie sich „anschaut“.
In dieser Arbeit geht es Catherine Lieser wie in ihren bisherigen Arbeiten um soziale Rollen und Geschlechterrollen, aber auch um soziale Räume und die mit ihnen verbundenen Erwartungen und Möglichkeiten geschlechtsspezifischen und grundsätzlichen Verhaltensweisen sowie Selbstinszenierung.
TBD:
Da mit der Figuren "der Touristin" mehr Assoziationen geweckt werden, als im Rahmen dieser Arbeit gewünscht ist (Klimawandel, Massentourismis), ist zu überlegen, ob eine andere Figur nicht passender ist, z. B. ein Harlekin.


Bildhinweis: Bei dem Bildbeispiel mit dem Textzusatz „DRAFT“ handelt es sich um ein Bild, die ich nicht selbst fotografiert und an denen ich keine Rechte besitze. Ich habe es zudem am Computer nachbearbeitet. Es dient lediglich zur internen Veranschaulichung meines fotografischen Vorhabens. Urheberrechtshinweis: www.mdr.de, linriehl-brautmode.de, www.instagram.com/beatfit.sports, www.instagram.com/alexcosta.


